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Ollantaytambo: Die ruhige Alternative zu Machu Picchu

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Ruinen am Berghang: In Ollantayamba kannst du die Inkakultur noch immer hautnah erleben. Foto: Sarah Bannholzer
Ruinen am Berghang: In Ollantayamba kannst du die Inkakultur noch immer hautnah erleben. Fotos: Sarah Bannholzer

Keine Frage: Machu Picchu ist Perus bekannteste Sehenswürdigkeit. Doch wenn du selbst in einer von den Inkas geplanten Stadt wohnen und in aller Ruhe noch intakte Häuser, Terrassen und Stadtmauern besichtigen möchtest, findest du in Ollantaytambo möglicherweise eine Alternative. Gastbeitrag von Sarah Bannholzer.

Tief beeindruckt hat mich dieses kleine Städtchen, als ich es letztes Jahr nach einem Machu Picchu-Besuch besichtigte. Hier verbrachte ich mitunter die schönsten Tage meiner gesamten Reise. Warum? In Ollantaytambo konnte ich mir in Ruhe noch einmal anschauen, was ich zuvor „in groß“ gesehen hatte: ein Inka-Dorf, einen Sonnentempel, Vorratsspeicher, Terrassen und eine Festung, von der aus man einen einmaligen Blick über das gesamte Tal hat. Ich konnte Kanälen folgen, zwischen den Häusern des ehemaligen Dorfes umherwandern, die Terrassen erklimmen, welche die Inkas gebaut hatten, um dort Ackerbau zu betreiben, und ganz ausgiebig ihre raffinierte Baukunst bestaunen. In Ollantaytambo hatte ich die Gelegenheit ganz in die Welt der einstigen Hochkultur einzutauchen und mir vorzustellen, wie die Leute damals lebten. Keine Horden von Besuchern störten dabei, kein im Voraus gebuchter Zug wartete darauf, mich schnell wieder von diesem magischen Ort wegzureissen.

Nicht nur die Ruinen haben mich an Ollantaytambo fasziniert, auch die Stadt an sich hat etwas ganz Besonderes: Sie war im 15. Jahrhundert von den Inkas geplant und gebaut worden. Noch heute existiert der alte Stadtkern nahezu unverändert und wird noch immer von den Nachfahren der einstigen Bauherren bewohnt. Das ist in dieser Weise für Peru einzigartig. Obwohl inzwischen 2000 Menschen in und um die Ortschaft leben und obwohl außerhalb des Zentrums längst neuere Häuser gebaut wurden, umgibt die Stadt doch noch immer eine sehr ursprüngliche und altertümliche Atmosphäre. Als ich durch die Gassen schlenderte, in denen das Wasser in den damals angelegten Kanälen noch immer rauschte, überkam mich das Gefühl, ich hätte einen Zeitsprung gemacht und wäre um Jahrhunderte in die Vergangenheit gereist.

Überblick auf den Stadtkern von Ollantaytambo: In der historischen Inka-Stadt leben noch immer Nachfahren der einstigen Bewohner.
Überblick auf den Stadtkern von Ollantaytambo: In der historischen Inka-Stadt leben noch immer Nachfahren der einstigen Bewohner.

Mein persönliches Highlight

So beeindruckend der historische Stadtkern auch war: Das wahre Highlight war für mich eine Ruine etwas außerhalb der Stadt, die in keinem Reiseführer vermerkt war. Ich entdeckte sie zufällig, als ich einen Spaziergang zum Urubamba-Fluss machen wollte. Direkt am Fluss fand ich eine weitere kleine Inka-Festung. Ebenso gut erhalten, wie die anderen Ruinen, nur völlig ohne touristische Hinweise oder Restaurierung. Dort standen einige Häuser in typischer Bauweise der Inkas, es fanden sich dort Bäder und noch intakte Kanäle, die die Bauern heute dafür verwenden, ihre Felder zu bewässern. Ich fand es unglaublich, dass die vor mehren Jahrhunderten erbauten Kanäle die heutige Bevölkerung noch immer versorgen können.

So ganz alleine durch diese verlassene Ruine zu spazieren war ein einmaliges Erlebnis. Obwohl wahrscheinlich schon viele vor mir hier waren und auch die Einheimischen die alte Festung gut kennen, fühlte es sich an, als habe ich etwas ganz Besonderes entdeckt, etwas, das nicht jeder sieht, der nach Ollantaytambo kommt. Wenn du diese verlassene Inka-Festung ebenfalls entdecken möchtest, kannst du einfach nach der Ruine am Fluss fragen, die Einheimischen kennen sich gut aus und können den Weg dorthin erklären.

Verlassene Ruine: Hier fühlst du dich wie ein echter Entdecker.
Verlassene Ruine: Hier fühlst du dich wie ein echter Entdecker.

Ist Ollantaytambo ein Alternative zu Machu Picchu?

Du fragst dich nun vielleicht, ob du das doch sehr touristische Machu Picchu einfach auslassen und stattdessen in das ruhigere Ollantayatambo reisen sollst – zumal du bei einem Besuch von Macchu Picchu viel Geld für Eintrittskarten und für die Zugfahrt ausgeben und dir mindestens eine Übernachtung im lauten und überteuerten Aguas zumuten musst. In Ollantaytambo hingegen stehst du unter keinerlei Zeitdruck und kannst dazu noch in einer wunderbaren kleinen Stadt wohnen.

Zugegeben – Machu Picchu zu besuchen bedeutet eine Menge Stress. Doch wenn du dich dennoch auf den Weg machst und zum ersten Mal das Gelände betrittst, wirst du beim Anblick dieser ausgefeilten Stadt gigantischen Ausmaßes vor allem eines sein: erstaunt und beeindruckt. Ein so starkes Gefühl hatte ich in Ollantaytambo nicht.

Eine wirkliche Alternative ist Ollantaytambo daher nur sehr bedingt. Doch wenn du Lust hat, noch intensiver in die Inka-Kultur einzutauchen und ein paar Tage in einer authentischen kleinen Inka-Stadt zu leben, solltest du auf jeden Fall vor oder nach Machu Picchu ein paar Tage dort verbringen. Es lohnt sich!

Praktische Hinweise

  • Eintritt zu den Ruinen: Für einen Teil der Ruinen, das „Inka-Dorf“, musst du Eintritt bezahlen. Man kauft dafür ein sogenanntes „Boleto turistico“. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, entweder „completo“, dann schließt es verschiedene Sehenswürdigkeiten in Cusco und Umgebung mit ein und gilt 10 Tage oder „parcial“, nur für Ollantaytambo, Pisac und Chinchero mit einer Gültigkeit von 3 Tagen. Die anderen Ruinen (Vorratsspeicher, Festung und die „verlassene Festung“) kannst du kostenlos besichtigen.
  • Anreise: Von Cusco aus gibt es Colectivos (Minibusse), die mehrmals täglich nach Urubamba fahren, dort kannst du in einen anderen Colectivo nach Ollantaytambo umsteigen. Die Fahrt dauert insgesamt etwa drei Stunden. Als ich dort war, fuhren die Colectivos von Urubamba nach Ollantaytambo nur bis zum Einbruch der Dunkelheit, du solltest also nicht zu spät in Cusco losfahren. Ollantaytambo liegt auch direkt an der Zugstrecke, die von Cusco nach Aguas Calientes führt. Alle Züge halten dort und viele Machu Picchu-Touristen nutzen die Möglichkeit, erst in Ollantaymbo in den Zug zu steigen, da die Fahrt von dort aus günstiger ist. Es empfiehlt sich also zum Beispiel auf dem Rückweg von Machu Picchu in Ollantaytambo Halt zu machen und von dort aus mit dem Bus weiterzufahren, da die Zugfahrt um ein Vielfaches teurer ist.
Tolle Aussicht: Blick vom Hotel auf die Ruinen an den Berghängen.
Tolle Aussicht: Blick vom Hotel auf die Ruinen an den Berghängen.
  • Unterkunft: Ich selbst habe im Hostal „El Tambo“ übernachtet. Zweifelsfrei eines der schönsten und auch günstigsten Hostales meiner gesamten Peru-Reise. Es bietet Einzel-, Doppel- und Mehrbettzimmer, die liebevoll eingerichtet sind, und es liegt direkt im alten Stadtkern. Von meinem Fenster aus hatte ich freien Blick auf die Ruinen, die rings um die Stadt auf den Bergen thronen.
  • Verpflegung: Es gibt eine ganze Reihe guter Restaurants in Ollantaytambo. Zwei möchte ich besonders hervorheben: zum einen das Restaurant „Coffee Tree“ direkt auf dem Plaza de Armas: hier gab es viele abwechslungsreiche Gerichte, darunter auch eine große Auswahl für Vegetarier, obendrein sehr bemühtes und sympathisches Personal. Zum anderen das „Hearts Café“: seine Speisekarte klingt nach einer Offenbarung, wenn man zuvor ein paar Tage in den Anden verbracht und nichts als Reis gegessen hat. Zudem setzt sich das „Hearts Café“ für soziale Projekte ein.

Willst du mehr über Peru erfahren? Dann schaue hier, was wir schon alles über den Andenstaat geschrieben haben. Zum ersten Mal auf dieser Seite? Dann schau hier, worum es  bei uns geht. Folgst du dem Weltreiseforum schon länger und willst künftig keine Texte mehr verpassen? Dann melde dich am besten gleich hier für den monatlichen Newsletter an.


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